Sören Marquardt

21 September - 4 October 2012

Opening 20 september 2012, 6 - 9 pm

 

Sören Marquardt. Wonderloch Kellerland Berlin. Foto: Sören Marquardt 2012

Sören Marquardt (*1969) ist Künstler, Filmemacher und Musiker. Einige seiner Kurzfilme, wie Katla oder juli weg zu maria, sind mittlerweile auf youtube zu sehen. Seine handymade pictures wurden zuletzt in der Städtischen Galerie Reutlingen gezeigt, sein Film Die Welt ist ein Dorf gerade in der Galerie Kub in Leipzig. Die aktuelle Ausstellung kombiniert verschiedene Ansätze und Werke des Künstlers, darunter auch Requisiten aus den eigenen Filmen. Ausgewählte Produktionen des Künstlers werden projiziert, die Filmmusik zur Eröffnung live mit elektronischem Schlagzeug eingespielt.

 

 

RL Was sind die handymade pictures für dich?

SM Das sind kommunikable Bilder, sie werden geschickt, die sind da drin gefangen. Wenn man sich gegenseitig Kunst zuschicken kann, so etwas wie Graffiti, da dachte ich, trete ich was los, eventuell, aber die Szene ist, soweit ich weiß, nie entstanden.

SM Und dann haben wir noch die Sorge, die in mir ist. - Auf was habe ich mich da eingelassen mit den Handybildern – wie minimalistisch muss das Ganze werden und wie dick das Eis, damit wir aufeinander zuschlittern.

RL Was erwartet uns bei Deiner jetzigen Ausstellung?

SM Naja, Konzept, es ist ja nicht so, dass ich da dagegen gestoßen bin. Das Konzept ist das, was man in den 20er Jahren noch Stummfilm und Klavier genannt hat, auch ein bisschen Maskerade vielleicht, eine herzliche Kühle vielleicht auch, die eventuell falsch verstanden werden kann als unheimliche Einladung, der Welt doch den Rücken zu kehren oder mit ihr zu versinken,

so ein bisschen Traum nach einer Konvusion (Fusion?), Verschmelzung …

SM Schreiben ist die Königsdisziplin. Erst kommt Schreiben, dann Musik und dann kommt Malen. Öl ist so eine flexible Masse, wo es viel zu entdecken gibt.

SM Das Lynch-Ding … Jedes Gesicht ist bemerkenswert, aber dass ich immer weniger Gesichter sehe, dass sich das so Gesichtsmuskel-technisch auf 2,3 Masken eingependelt hat – ausdruckslos, hysterisch und verständnisvoll-suchend … oder verständigend-käuflich – also im richtigen Laden: Kaufst Du Sportschuhe kriegst Du ein verständiges Gesicht zu sehen.

Aber das ist mir zu mecker-mäßig. Die Frage bleibt. Antwort: Ausstellen möchte ich, weil es mich interessiert – weil ich mich für mich interessieren möchte … - Aber wenn du das jetzt schreibst .. das klingt, als ob ich mir hier einen ...

RL (lacht) Ist Kunst nicht auch wie sich einen …

SM Ja, in gewisser Weise schon, manchmal ist es in der Kunst auch deutlich, ich finde das hat eher so etwas Italienisches, alle sind so gemeinsam. Nationalismus hat ja auch was Schönes – kann ja auch Kunst heißen.

SM Ich laufe eigentlich mit so einem a – o – e durch die Wohnung. Wenn ich aber was gefunden habe, bleibe ich dran. Und ich hoffe, das gelingt hier auch am Schlagzeug - mich auch wieder zu befreien ... Ich würde jetzt aber nicht wollen, dass der Sowieso mit der Gitarre kommt und mitmischt.

RL – Ja, ist ja auch eine solo show - Deine Welt.

SM Ja, muss jetzt aber auch nicht so bloßgeschält sein. - Was vielleicht noch fehlt ist vielleicht ein Symbol, was man sich denkt. Ich würde gerne noch Gürtelschnallen ausstellen - einfach so als Fragezeichen … Schnallen, die man auch zu viert oder fünft tragen kann. Ich finde, die Suche nach Symbolen sollte nicht aufhören – trotz der Flut heute.

SM … dass man auf eine bestimmte Form Beobachtungen sammeln und wiedergeben kann – in der Kunst muss sich das widerspiegeln. Die Ostblockländer haben das viel mehr raus, die bringen das noch mit direkten Fotos.

SM Wenn ich jetzt die Augen zumache, sehe ich ein Foto von meiner Nichte - dann dreht sich die Nichte um und hat ein totales Robotergesicht, alles perfekt, keine Pore mehr, verdammt gesund. – Die Botschaft war, dass sich meine Schwester Sorgen macht, sie vorzubereiten auf eine bestimmte Welt – Internet – und auf was man sich da vorbereiten muss als Mutter – die ärgsten Schwierigkeiten, die ärgsten Schwierigkeiten! ... Ich kann nicht für meine Schwester sprechen - aber ich sehe dieses Foto.

Kinder haben einen absoluten Draht zum Himmel, weil sie vernetzt sind.

RL Wie siehst du das genau?

SM Man sieht, dass sie sich auf was total Unheimliches geeinigt haben … in dem Glauben, es gibt nichts Böses.

RL Warum unheimlich?

SM Ja, weil es das nicht gibt, ohne die dunkle Seite.

(Aus einem Gespräch zwischen Sören Marquardt und René Luckhardt)

 

Sören Marquardt. Installation view Wonderloch Kellerland Berlin, 2012.

 

Sören Marquardt. Wonderloch Kellerland Berlin, 2012

 

Sören Marquardt. Wonderloch Kellerland Berlin, 2012

 

Sören Marquardt. Wonderloch Kellerland Berlin, 2012

 

Sören Marquardt. Wonderloch Kellerland Berlin, 2012

 

Sören Marquardt. Wonderloch Kellerland Berlin, 2012