"Zuschütten!"

Die Wandmalereien des "Fahrerbunkers", Berlin

5 & 8 October 2010

"Zuschütten!" Die Wandmalereien des "Fahrerbunkers", Bild 1

 

Im Rahmen einer Reihe von Ausstellungen, die sich mit Malerei beschäftigt, welche im Zusammenhang mit isolierten, marginalisierten oder (heute) abgesperrten Orten ihren Ausdruck gefunden hat, zeigt Wonderloch Kellerland die Wandmalereien des „Fahrerbunkers“, Berlin.

Der so genannte „Fahrerbunker“ diente der Fahrbereitschaft der SS-Division „Leibstandarte Adolf Hitler“ als Schutzbunker und liegt in der Nähe des ehemaligen „Führerbunkers“ an der heutigen Ebertstraße. Gegen Kriegsende durch einen Bombentreffer verschüttet, wurde er auch nach dem Krieg – aufgrund seiner Lage mitten im ehemaligen Grenzgebiet – nicht geöffnet oder betreten. Wieder entdeckt wurde er erst nach dem Mauerfall im Rahmen von Sicherheitsvorkehrungen anlässlich des Konzertes „The Wall“ von Pink Floyd im Jahr 1990. Zu diesem Zeitpunkt wurden auch erstmals seine Wandmalereien gesichtet, die weltweit für Aufsehen sorgten.

Der Bunker wurde schließlich 1992 und 1996 durch das Archäologische Landesamt unter der Leitung Alfred Kernd'ls gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins Berliner Unterwelten e.V. begangen, vermessen und die darin entdeckten Fundstücke geborgen. Die Ergebnisse der Vermessung, sowie eine Beschreibung und Analyse der Wandgemälde hat Alfred Kernd'l 1997 veröffentlicht. Es handele sich um 8 ca. 1,20 m hohe und in ca. 1,50 m Bodenhöhe direkt auf den Putz aufgetragene Leimfarben-Malereien, die sich mit einer Ausnahme allesamt in einem Raum befänden. Anderen Quellen zufolge beschränken sich die Wandmalereien ausschließlich auf den zentralen Raum des Bunkers. Vermutlich 1941 entstanden, ist der Urheber der Malereien unbekannt. Man geht jedoch davon aus, dass er selbst der SS angehörte. Die Darstellungen zeigen verschiedene idealisierte, mit entsprechender Symbolik ausgestattete Szenen aus unterschiedlichen Lebensbereichen der SS und verherrlichen diese als Beschützer des Volkes.

Seit seiner Wiederentdeckung hat der Bunker Kontroversen ausgelöst, die sich mit der Frage beschäftigen, ob er erhalten und als Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden oder vergessen bzw. verschüttet bleiben solle. Nach den Begehungen wurde der Bunker verschlossen und der Eingang zugeschüttet. Laut Auskunft des Vereins Berliner Unterwelten e.V. ist der Fahrerbunker seit 2006 als Bodendenkmal anerkannt; d.h. er dürfe nicht zerstört, müsse aber auch nicht aktiv erhalten werden. Der Öffentlichkeit ist er nach wie vor nicht zugänglich.

Die Wandbilder des Fahrerbunkers irritieren als Zeugnisse unmittelbarer Selbstdarstellung der SS. Vor allem aber, weil diese nicht als portable Einzelwerke existieren, sondern einen ganzen (unterirdischen) Raum ausgestalten. Die Malereien definieren also einen ideologischen Raum, in dem geschlafen, gegessen, gefeiert, gelebt wurde, und verdichten ihn im Sinne der Vorstellungen seiner einstigen Bewohner. Diese alltäglich gelebte Ideologie, deren Zeugnis die Wandgemälde sind, ist das eigentlich Erschreckende.

Der private Ausstellungsraum Wonderloch Kellerland zeigt Bildszenen der Wandgemälde als Installation. Diese Installation ist der Versuch, nicht allein die Werke zu zeigen, sondern in Form eines angedeuteten Replikats eine Ahnung des Ortes virtuell zu erzeugen und begehbar zu machen. Die Ausstellung versteht sich auch als Anregung, die Diskussion darüber, wie mit diesem Ort zu verfahren ist, nicht im Sande verlaufen zu lassen.

Als primäre Quellen liegen dem Text Aussagen und Veröffentlichungen Alfred Kernd'ls und des Vereins Berliner Unterwelten e.V. zugrunde.


"Zuschütten!" Die Wandmalereien des "Fahrerbunkers", Bild 2

 

"Zuschütten!" Die Wandmalereien des "Fahrerbunkers", Bild 3